Wie der ein oder andere vielleicht ohnehin schon weiß praktiziere ich zurzeit ja als brave Praktikantin, Werkzeugschlepperin, Unwissendes Wusel und auch als immer im Wegstehender Klotz Mensch in ner Schreinerei in der Nähe von Karlsruhe. Und das seit vergangenem Montag.
Mein Praktikum [brauche ich übrigens für die Studiererei, 6 Wochen Handwerk sind mindestens erforderlich] find ich bislang wirklich klasse. Der erste Montag begann zwar etwas „holprig“; vollständig übermüdet und leicht gestresst fegte ich recht pünktlich mit dem Rad auf den Hof, konnte grade mal „Guten Morgen“ sagen, als mir schon der erste Schwall Wörter um die Ohren gefetzt wurden. Irgendwas auf Badisch [was laut einer gewissen Person angeblich sexy macht, meiner Meinung nach einfach VIEL zu kuddelmudelig ist], was vermutlich etwas in Richtung „Guten Morgen, herzlich Willkommen, wir haben dich hier alle lieb“ oder aber auch „Mädchen, geh doch mal aus dem Weg!!“ heißen sollte. Die Sprachbarriere haben wir aber inzwischen schon fast überwunden, ich verstehe einen Großteil und meine allesamt lieben Kollegen geben sich auch Mühe, etwas „humaner“ zu reden, damit ich nicht nach jedem zweiten Satz verwirrt gucken muss.
Ich muss sagen, ich hab bisher schon ziemlich viel praktisches Zeug gelernt..
- „Was ist ein Türband und wie baue ich es ein?“
- „Was ist eine Aufdopplung?“
- „Wie lackiere ich gefühlte Tausend Leisten ohne mich und die halbe Werkstatt mit Farbe zu beschmieren?“
- „Wie bringe ich meine Kollegen dazu, erstaunt zu gucken?“
- Wo muss ich mich hinstellen, um nicht eine volle Ladung Lack abzubekommen, wenn der Kollege eine Schiebetür lackiert?“
- „Wie verdiene ich Trinkgeld?“
- „Wie springe ich elegant auf einen Kleinlaster?“
- „Wie reiße ich eine alte Holzwand in einem Altbaukeller ein ohne mich an den 10cm-Nägeln aufzuspießen?“
- „Wie baue ich eine Zimmertür ein, nachdem ich die alte inklusive Verkleidung rausferissen habe?“
- „Wie richte ich eine 275 x 120 x 10 Glastür auf, ohne selbige zu vernichten?“
- „Wie fahre ich meinen verletzten, bleichen Kollegen zum Arzt und wie verbringe ich die zwei Stunden Wartezeit?“
- …
Und vieles mehr. Man kann sagen: Die erste Woche war interessant, ich hatte einiges zu tun, höllischen Muskelkater in den ersten Tagen, aber fühle mich mit der Arbeit, den Kollegen und im Betrieb selbst schon ziemlich wohl [vor allem, wo ich langsam lerne, wo was hingehört und nicht mehr ständig nachfragen muss].
Solltet ihr jemals einen Schreiner engagieren: Kocht ihm einen Kaffee. Unheimlich tolle Sache, nach dem Einbau der neuen Küchenzeile erstmal nen warmen Kaffee zu trinken und sich dann mit der Aufräumerei zu beschäftigen =)





