denke ich mir, während ich meinen Nicht-Freund vermisse und irgendwie Lust habe, eine Geschichte zu schreiben. “Don’t Panic - We live in a beautiful world”, singt auch Chris Martin. Und entführt mich auf eine Straße.
Sie liefen auf einer Straße, die sie nicht kannten, in eine Richtung, die zu orten sie nicht bereit warten. Um sich zu erinnern, wo sie herkamen, waren sie schon zu lang unterwegs, und für ein Ziel hatten sie sich noch nicht entschieden. Das einzig wichtige war der Weg. Den sie zurücklegten. Gemeinsam. Das war der entscheidende Punkt.
Schon lange hatte sie die Dunkelheit eingeholt, der leichte Nieselregen, der sie langsam aber beharrlich durchnässte, wollte nicht aufhören, und die Farben, die ihnen vor einigen Stunden, als sie von dem ihnen jetzt schon wieder unbekannten Ort losgelaufen waren, noch vor den Augen geschwebt, gewabert, pulsiert waren, verschwanden nach und nach. Er griff nach ihrer Hand, die er zuvor nie länger als nur ein paar Sekunden berührt hatte. Hielt sie nur fest, beim Laufen, sah sie weder an, noch sagte er ein Wort.
Man kann nicht sagen, dass er sie hinter sich herzog, und trotzdem hatte er sie, als sie schon im Begriff war, stehen zu bleiben, mit seiner noch immer andauernden Berührung weitergebracht. Hatte ihren verlangsamenden Schritt wieder beschleunigt, ohne auf ihre schmerzenden Füße oder ihre Gänsehaut zu achten, die sich wegen des nassen Sommerkleids, dass an ihrer Haut klebte, schon seit längerer Zeit über ihre Arme zog. Der Weg war das, was zählte.
In der Nähe schlug eine Autotür zu, die die beiden allerdings noch nicht sehen konnten. Einige Meter entfernt stellte jemand die Lichter seines Autos an, drehte den Schlüssel im Zündschloss und machte sich auf den Weg zum nahen Berg, von dem er sich ungebremst ins Meer rollen lassen wollte. Dieser Jemand war nicht verzweifelt, nicht krank, noch nicht einmal unglücklich. Doch am Morgen dieses Tages war er mit der Gewissheit erwacht, dass er sich noch am selben Tag, diesem Tag, das Leben nehmen wollte. Daraufhin hatte er den lebenswertesten aller Tage seines Lebens durchlebt. Mit einem Bild seiner schon vor Jahren verstorbenen Eltern in der Hand, bremste er am Abgrund. Sah hinunter und löste die Bremse.
Ihre Füße schmerzten, und als sie schließlich den Tränen nahe, am Gipfel des Berges angekommen war, auf den er sie gebracht hatte, brach sie beinahe zusammen und setzte sich auf einen umgestürzten Baum. Lehnte sich vorsichtig zurück, bis sie kurz vorm Sturz auf den weichen Boden war, und sah in den Himmel. Sie sah in die Sterne, und , kurz bevor ihr Kopf auf den Boden aufschlug, hatte sie das Gefühl, zu schweben.
Das Photo würde aufweichen, seine Gestalt verlieren, und in Vergessenheit geraten. Der Gedanke schoss dem Jemand durch den Kopf, der im immer schneller rollenden Auto saß. Einem Reflex folgend trat er auf die Bremse, kam kurz vorm Wasser zum Stehen und presste seine Eltern mit tränenüberströmten Gesicht an sich.
Einige Meter weiter auf dem Berg wandte sich ihr Gesicht erneut gen Himmel, und als sie ihn ein letztes Mal vor sich sah, ihn, der sie auf diesen Berg gebracht hatte, konnte sie die Farben erneut sehen. Sie lächelte, schloss die Augen und spürte nicht mehr, wie sich in ihr alles zusammenzog, als ihr Herz aufhörte, zu schlagen.
Alles, was zählte, war der Weg.