Stand gerade um die zwei Stunden in der Küche. Habe aufgeräumt, gewischt, Obstsalat gemacht und nachgedacht. Nachgedacht. habe festgestellt, dass ich einen Großteil meiner Person hasse. Und momentan nur innerlich das bin, für das ich mich halte. Das diese ganze Masse Körper um mich herum einfach nicht dazu gehört.

Nachgedacht. Habe beschlossen, etwas zu tun, dagegen. Gegen den Selbsthass, gegen die Kilos, gegen die Nachdenklichkeit. Habe vor lauter Zorn eine Nektarine in der bloßen Hand zermatscht. Und mich an ner spitzen Stelle am Kern gekratzt. Schmerz kann erlösen. Von Gedanken.
Nachgedacht. Habe in Gedanken einen Brief eine meine beste ehemals beste Freundin formuliert. Irgendwie…ist alles sehr merkwürdig, seit sie mit ihrem Freund zusammen ist. Nicht, dass ich eifersüchtig wäre, oder neidisch, nein, ihr Verhalten hat sich einfach total geändert. (Inzwischen war ich übrigens auf der Abi-Parade, deshalb ist hier ein kleiner “Bruch” im Text..
)
Sie redet kaum noch mit mir, gestern abend, als ich sie mehr oder weniger zufällig getroffen habe, kam sie noch nicht mal zu mir, um mich zu begrüßen, wie sie es sonst immer tut, nein, sie hat noch nicht mal “Hallo”, gesagt. Er hat mir “Abend!!” zugerufen, und dann sind die beiden weitergerannt. Selbst als ich sie noch mal angesprochen habe, kam nur ein kurzes “Ja, wir ham hier Getränke verkauft”, mehr nicht. Ich muss sagen, es enttäuscht mich wirklich. Und weh tut es auch. Ich gönne ihr ihre Beziehung, die Verliebtheit, das alles wirklich sehr, aber trotzdem muss sie mich doch nicht behandeln, als sei ich Luft, oder?
Nachgedacht. Habe mir überlegt, wie ich meine Probleme angehe. Beschlossen, die 4,5 km Laufen in Sport in einem halben Jahr zu schaffen. Beschlossen, abzunehmen. Habe währenddessen Waffelteig angerührt. Und mich über dieses Paradoxon geärgert. Mich gefragt, wie das gehen soll. Diät und Waffeln? Ich mag nicht mehr. Zwei habe ich gegessen. Mit Obstsalat. Und gerade, als ich heim kam, noch eine. Aber naja, das ging ja noch.

Nachdenken. Stelle fest, dass ich viel zu wenig getrunken habe. Dass die Party trotzdem gut war. Dass es beschissen ist, hier im Kaff zu wohnen, wo die letzte S-Bahn um 0:35 fährt. Dass Pärchen furchtbar sind.
Nachdenken. Ich wurde schon viel zu lange nicht mehr geküsst. Habe viel zu lange nicht mehr geküsst. Habe gestern erfahren, dass mein Ex-Freund seit unserer Trennung im letzten November inzwischen 4 Freundinnen hatte. Noch ein Paradoxon am heutigen Tag. Wenn ich überlege, wie unglücklich er war, am Boden zerstört, als ich mich von ihm getrennt habe, wie er von einer “zweiten Chance” geredet hat, mit Tränen in den Augen, dann finde ich das schon fast etwas armselig. Natürlich überwindet jeder eine Trennung irgendwann, etwas anderes würde ich niemandem wünschen, aber jetzt eine nach der anderen abzuschleppen, naja, ich muss sagen, irgendwie find ich das … nicht gerade toll. Was ich mir wegen der Trennung für Vorwürfe gemacht habe. Weil ich ihn nicht verletzen wollte. Das Gefühl hatte, am Bruch unserer Beziehung schuld zu sein. Wie ich mit mir gekämpft habe, mich kaputt gemacht habe, bis ich schließlich den letzten Schritt gegangen bin, und ihm gesagt habe, dass es so nicht weitergehen kann. Ich fühle mich - um ehrlich zu sein - verarscht. Ich meine, ich empfinde NICHTS mehr für ihn, wirklich, aber trotzdem fühle ich mich dadurch gedemütigt. Die erste “Neue” hatte er übrigens 4 Tage nach unserer Trennung. Wer’s braucht…
Und trotzdem. Langsam sehne ich mich nach dem Gefühl, mal jemanden zum Anlehnen zu haben. Bei dem ich mich fallen lassen kann. Sehne mich nach dem Gefühl, sinnlos und schweigend Arm in Arm auf dem Bett, oder der Wiese, oder meinetwegen auch dem Asphalt zu liegen, und die Sterne anzuschauen. Sehne mich nach Romantik, ja, verdammt noch mal, sehne mich nach einem ehrlichen, schönen Kuss.
Irgendwie passiert hier nichts mehr. Ich glaube, ich gehe wohl einfach ins Bett. In mein einsames, leeres, für eine Person viel zu großes Bett.[Verdammte trautig-nachdenkliche Einsamkeit!]Um morgen früh fröhlich aufstehen zu können, und mit Obstsalat in den Tag zu starten.
Gute Nacht