Hannah (01:02):
Erwähnte ich übrigens, werter Herr U., dass ich schon seit längerem eine Ausdrucksweise dieser, wenn man darüber nachdenkt, doch recht kafkaesken Art und Weise sehr schätze, auch wenn meine Definition von kafkaesk, nämlich eine reine Reduktion auf verschachtelte Sätze, nach Wikipedia wohl eine Falsche ist, da es sich in Realitas um eine Stimmung handelt, die der von mir sehr geschätzte Franz Kafka in seinen Werken schuf?
Jojo (01:11):
Ich schätze diese Ausdrucksweise auch durchaus, allerdings ist dieser Schreibstil, so wie er eben von Ihnen in ebenjenem Beitrag, auf den ich mich jetzt beziehe und den Sie mir gerade geschrieben haben, durchaus als etwas aufwendig im Schreiben zu bezeichnen und wurde in meiner Schulzeit, welche ich dankenswerterweise unlängst beenden durfte, nicht adäquat goutiert, sondern mit Kommentaren wie „Johannes, look at this sentence!!!“ oder bei meiner Deutschlehrerin mit einem simplen Fragezeichen verziert und durch diese unqualifizierten Kommentare diffamiert, weshalb ich diesen Schreibstil nicht mehr allzu häufig verwende, auch wenn er mich selbst durch seine verzwickte Schönheit verzückt, aber leider doch bei allzu vielen anderen, unwissenden Menschen, welche sich leider in Zeiten wie diesen in der Mehrzahl zu finden scheinen, meistens in einer hoffnungslosen Verwirrungen enden und es bei denen sowieso nicht mehr lohnt, durch wiederholte Erklärungen diese zu beseitigen versuchen!
Hannah (01:18):
Meine Wenigkeit, das gebe ich hiermit offen und ehrlich zu, musste bei der von Ihnen zitierten Aussage schriftlicher Natur, die Ihre Englisch-Lehrerin, die meiner Ansicht nach ebenso wenig Ahnung von einer angenehmen, wenn auch Konzentration beim Verfassen und Lesen fordernde Art des Ausdrucks zu haben scheint, lachen, da auch ich ein bis zwei Mal eine solche, die Kunst des Satzbaus zerstörende, Randnotiz unter meinen schriftlichen Aussagen zu finden pflegte, wobei selbige doch immer wohl überlegt und, nach mehrmaligem Lesen, wozu sich leider Gottes die wenigsten unserer geschätzten Pädagogen Zeit nehmen, auch durchaus verständlich waren.
Einzig und allein ein Lehrer, dessen Name übrigens Herr Beck war (beziehungsweise, wie ich hoffe, noch ist), konnte sich für meine stilistischen Ausschweifungen erwärmen, als er meine Klasse in der neunten Jahrgangsstufe, in der ich auch Zeit für ein Interview mit ihm für unsere Schülerzeitung führen durfte, für einige Monate als Vertretung unserer eigentlichen Lehrerin, die die Erhaltung der menschlichen Art an oberste Stelle und unseren Unterricht erst an die folgende setzte, unterrichtete. Selbiger Herr Beck war aktiver Bogensportler und…
Hannah (01:19):
..schätzte moderne Unterrichtsmethoden, wie beispielsweise meditatives Schreiben, was von meiner Klasse eher mit Unmut, von mir allerdings mit Begeisterung aufgenommen wurde, sehr.
Jojo (01:32):
ich muss Ihnen mitteilen, dass ich mich angesichts der ausgesprochen schönen Form des von uns gepflegten Dialoges, bemüßigt fühle, diesen weiterzuführen, ich allerdings gerade in Ermanglung eines klaren Gedankens, wie sich dieser wiederum von meiner Seite weiterführen ließe, befürchte, ebendiesen zu unterbrechen, was angesichts der sich mit jedem weiteren Wort noch weiter steigernden Einzigartigkeit ein Verbrechen wäre, und werde doch noch versuchen, weitere sinnschwere Worte aneinander zu reihen, was aber nicht heißen soll, dass dies zufällig geschieht, da dieser Eindruck die Gesamtwirkung dieses prosaischen Kunstwerkes zerstören würde und ich dies niemals zulassen könnte, weshalb ich aber jetzt ehrlich gesagt trotzdem nicht weiß, wie ich an dieser Stelle machen sollte, wir könnten uns aber dennoch darauf einigen, dass es hier nicht gestoppt sondern lediglich pausiert wurde, wenn es Ihnen nichts ausmachen würde, zumal sich dieser Stil doch zu meinem Bedauern als etwas zeitaufwändig und eine Konversation etwas schwerfällig machend, sofern man einem Kunstwerk überhaupt diesen Vorwurf machen dürfte, herausgestellt hat.